Buchtip


Mit der Ente durch Afrika – ein Kurz-Review

Direkt am Anfang des Buches weist der Autor Gert Duson darauf hin: „Ich bin kein Schriftsteller, ich bin nie einer gewesen, und ich habe auch nicht den Ehrgeiz, einer zu werden.“ Um es vorweg zu nehmen, diesem Anspruch wird der Autor in seinem Buch gerecht.

Bevor wir uns falsch verstehen, das Buch ist nicht schlecht, aber so einfach wie der 2CV nun mal ist, so puristisch ist auch der Schreibstil, in dem das Buch verfasst wurde. Sprache ist hier kein Stilmittel, sondern Transmitter. Der Leser soll von den Abenteuern erfahren und seine Phantasie spielen lassen und dabei nicht in zu detaillierten Beschreibungen und Nebensätzen verloren gehen. Eindrücke erhält man über Hochglanzfarbfotos am Anfang des Buches und via s/w-Fotografien, die in den Text eingeflochten sind.

Gert Duson beschreibt in diesem Buch den langen Weg von der Idee über die Planung und Durchführung seines wahnwitzigen Projektes im Jahre 2002, von den Anstrengungen und Entbehrungen, sowie den Hoffnungen und Träumen und nimmt uns mit auf die abenteuerliche Reise quer über den schwarzen Kontinent.

Es ist faszinierend, mit wie wenig Fachwissen und genügend Mut zum Abenteuer ein solches Unternehmen möglich ist. In dem Buch wird kein Hehl daraus gemacht – einen simplen Reifenwechsel kann man lernen, wenn man erst mal mit einem Plattfuß liegengeblieben ist. Ersatzteile werden durch „wir halten ein neues daneben“ identifiziert und der Einbau ist Glückssache. Man fühlt einfach mit dem 2-er Gespann, wenn man Kapitel für Kapitel erklimmt und immer von neuen Problemen, Erlebnissen und interessanten Begegnungen erfährt.

Der Leser lernt nach und nach die unterschiedlichen Länder kennen und fiebert mit den beiden sympathischen Belgiern mit, voller Erwartungen, welche Überraschungen den Freunden nach dem Grenzschlagbaum widerfahren werden.
So freut man sich auch, wenn die beiden Helden dann nach sechs Monaten, 24.800 km, sechs gebrochenen Achsen, einem kaputten Getriebe und fünf Brüchen im Chassis sowie zahlreichen Botschaftsproblemen und zwei Überfällen endlich ihr heißersehntes Ziel erreichen und das krönende Abschlussfoto vor dem Schild „Cape Point“ schießen können.

Jeder, der den 2CV mag und der Abenteuern nicht abgeneigt ist (das erstere beinhaltet ja quasi das zweite), wird dieses Buch als leichte Lektüre zur Unterhaltung zwischendurch zu schätzen wissen! So denke ich, wird dieses Buch auch „nicht-Entenfahrern“ gefallen, denn im Grunde liest man die Geschichte von zwei großen Kindern, von denen eines doch in uns allen steckt.

MB, März 2005

Leseprobe:

NIAMEY: Der Botschaftsmarathon
Niamey entsprach dem Prototyp einer afrikanischen Hauptstadt. Sie war ziemlich unattraktiv durch den vielen Lärm und den Gestank, verdreckt von den Abgasen alter Taxis, die blaue Qualmwolken ausstießen, mit Müllkippen auf offener Straße, aber reizvoll wegen der Musik, die an jeder Straßenecke aus den Boxen kleiner Radios drang, der Imbissbuden, an denen man sich für einen halben Euro den Bauch vollschlagen konnte, seines lebendigen Nachtlebens und des pulsierenden Lebens der Stadt. An Bars fehlte es hier nicht, und bei stets steigender Luftfeuchtigkeit und brütender Hitze erlagen wir deren Versuchungen. In einer deutschen Non Government Organisation (NGO) bezogen wir Quartier.

Christophe würde sich um den Wagen kümmern, ich mich mit der Logistik befassen. Am nächsten Morgen ging ich zur nigerianischen Botschaft. An einer gigantischen Pforte unterzog man mich einer strengen Kontrolle. Ein erster Wachposten kopierte meinen Pass, während mich ein zweiter filzte. Danach brachte man mich zu einer Dienststelle, in der ich weiter durchleuchtet wurde. Ich musste den Metalldetektor passieren, und im Computer wurden meine Ausweisdaten überprüft.

Das Anwesen und das Gebäude selbst waren immens groß. Die Ölquellen im Süden des Landes waren ganz offensichtlich ein lohnendes Geschäft für den Staat. Ein „Gorilla" eskortierte mich zu einem Büro. Er klopfte an, ließ mich eintreten und schloss die Tür hinter mir. Eine dicke afrikanische Matrone saß an einem großen Tisch und las Zeitung. Sie schaute auf. Ich lächelte, sie zeigte keinerlei Reaktion.

"Was willst du?", fragte die Frau kurz angebunden.
"Eine Visum für Ihr Land, wenn Sie erlauben."
"Wohnst du hier in Niger?"
"Nein, ich bin Tourist."
"Wir stellen hier nur Visa für Nigerianer oder für Ausländer aus, die sich hier niederlassen, nicht für Touristen. Da ist nichts zu machen! Das Visum hättest du in Belgien beantragen müssen."
"Aber ich wusste doch vorher nicht, dass ..."
"Regeln sind Regeln. Einen schönen Tag noch." Sie senkte den Kopf und las weiter in ihrer Zeitung.
Blöde Kuh. Wahrscheinlich war sie bloß die Assistentin eines Konsuls, der gerade außer Haus war. Ich blieb hartnäckig. "Vielleicht können Sie ja eine Ausnahme machen. Wir hatten ursprünglich nicht vor, durch Nigeria zu fahren, es ist ein Fall höherer Gewalt."
Aber sie schüttelte bereits verneinend den Kopf, bevor ich meinen Satz beendet hatte. Sie erhob sich und machte Anstalten, mich vor die Tür zu setzen. Ich musste meine Strategie ändern, und zwar schnell!
"Bitte, hören Sie doch ... Sie müssen mir helfen. Wir sind seit sechs Monaten unterwegs und wenn ich dieses Visum nicht bekomme, geht unser ganzer Traum baden. Wir haben nicht vor, in Ihrem Land zu bleiben. Wir wollen einfach nur schnell durchfahren, um nach Kamerun zu kommen. Alles hängt von Ihnen ab, also ... wollen Sie, dass ich Sie anflehe oder vor Ihnen auf die Knie falle? Ich tue alles, aber Sie müssen mir helfen! ... Sonst kriegen Sie mich hier nicht raus", murmelte ich noch hinterher.

Duson, Gert
„Mit der Ente durch Afrika“
392 Seiten - Kunth
Oktober 2004

ISBN: 3-89944-144-3